Wohnen, Pflegen und Quartier: Räume für neue Lösungen
Dokumentation der Fachtagung am 13. November 2025 im Hospitalhof in Stuttgart
Dokumentation der Fachtagung der FaWo am 13.11.2025 im Hospitalhof
Rund 150 kommunale Akteure, Träger, Planende und Engagierte folgten der Einladung der Fachstelle zur Fachtagung „Wohnen, Pflege und Quartier - Räume für neue Lösungen“ am 13. November 2025 im Hospitalhof in Stuttgart. Ihr Interesse galt sowohl den fachlichen Impulsen der Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis als auch dem Austausch und der Vernetzung untereinander.
Welche Herausforderungen und Entwicklungen sind kurz- und mittelfristig im Themenfeld zu erwarten? Wie können innovative Wohn- und Pflegeformen den sozialen Zusammenhalt im Quartier stärken? Wie können kommunale, zivilgesellschaftliche und professionelle Akteure wirksam miteinander kooperieren, um pflegebedürftigen Menschen ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Fachbeiträge, Diskussionsrunden und Gespräche im Rahmen der Veranstaltung.
Monika Schneider, Moderation
Frank Stahl I Stellvertretender Verbandsdirektor und Leiter Dezernat Soziales beim Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS)
„Lassen Sie uns gemeinsam an lebenswerten Quartieren in Baden-Württemberg arbeiten, die über geeignete Wohnangebote auch für Menschen mit Pflege- und Assistenzbedarf verfügen!“ forderte der stellvertretende KVJS-Verbandsdirektor die Teilnehmenden in seinem Grußwort auf. Er betonte außerdem die große Bedeutung innovativer Wohnangebote gerade auch mit Blick auf den demografischen Wandel und sich verändernde gesellschaftliche Strukturen. Sie ermöglichten Menschen mit Pflegebedürftigkeit oder Behinderung sowohl soziale Teilhabe als auch ein weitgehend selbstbestimmtes Leben im Quartier und seien damit wichtige Bausteine integrierter Gesamtkonzepte und integrale Bestandteile lebenswerter Quartiere.
Christian Heerdt l Leiter Wohnen und Quartiersgestaltung I Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA)
Wohnen sei kein Randthema, sondern ein wichtiges Transformationsfeld für die Zukunft der Pflegelandschaft, führte Christian Heerdt vom KDA in seiner Keynote aus. Wohnen sei ein zentrales Thema für die Lebensqualität gerade auch im Alter und biete – gut gestaltet und mit entsprechendem Quartiersbezug, sozialer Teilhabe – eine Möglichkeit der Pflegeprävention, und für Ältere die Chance auf „Ageing in Place“. Dezentrale (neue) Wohnformen im Quartier ermöglichten einen zielgerichteten und ressourcenschonenden Einsatz von pflegerischen Dienstleistungen und Versorgungssicherheit vor Ort. Dies sei mit Blick auf die demografische Entwicklung sinnvoll. Aus seiner Sicht sei es daher sinnvoll, Pflege-, Wohn- und Sozialplanung zusammenzuführen, um gemeinschaftlich passgenaue sozialräumliche Lösungen zu entwickeln.
Dr. Angela Postel I Referatsleiterin Pflege I Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg
Das im Jahr 2014 in Kraft getretene Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz (WTPG) wird neu gefasst und soll künftig Teilhabe- und Pflegequalitätsgesetz (TPQG) heißen. Der Gesetzesentwurf befindet sich derzeit im parlamentarischen Prozess, Das Sozialministerium rechnet damit, dass das TPQG Anfang 2026 in Kraft treten wird. In ihrem Beitrag stellte Dr. Angela Postel Hintergrund und Inhalte sowie die wesentlichen Unterschiede des geplanten Gesetzes zum bisher geltenden WTPG vor.
Dr. Angela Postel I Referatsleiterin Pflege I Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg
Christian Heerdt I Leiter Wohnen und Quartiersgestaltung I Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA)
Dr. Tobias Müller I Referat Quartiersentwicklung I Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg
In der Expertenrunde wurde deutlich, dass zukunftsfähige Quartiere und Wohnformen, auch für Menschen mit Pflegebedarf, nur durch das gleichzeitige Weiterdenken mehrerer Ebenen entwickelt werden können. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und sozialer Veränderungen wurde die Notwendigkeit quartiersnaher Wohnformen für ältere Menschen hervorgehoben. Hierfür gelte es, im Sinne des Leitbildes, an „allen Stellschrauben ein Stück zu drehen“. Die Landesstrategie „Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten.“ wurde als guter Nährboden benannt, der mit Beratungsangeboten wie der FaWo sowie mit Förderprogrammen gezielt entsprechende Entwicklungsprozesse unterstützt. Erörtert wurden zudem die geplanten neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg im Zuge der Novellierung des Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetzes.
Konsens bestand unter den Beteiligten der Expertenrunde darin, dass der Einbindung der Zivilgesellschaft im Verständnis einer sorgenden Gesellschaft künftig eine deutlich stärkere Rolle zukommen wird.
Christiane Biber, Susanne Horbach, Thomas Kallenowski I FaWo
Im Gespräch mit der Moderatorin gaben alle drei Mitarbeitenden der Fachstelle unter anderem einen Rückblick auf die Entwicklungen der letzten über zehn Jahre. Dabei wurde deutlich, wie sich die Aufgaben von der Beratung zu grundlegenden Fragen des Ordnungsrechts hin zu praxisnahen Themen wie Konzeption, Planung und Finanzierung weiterentwickelt haben. Besonders hervorzuheben ist dabei der landesweite Überblick der Fachstelle und die enge Zusammenarbeit mit Fach- und Koordinierungsstellen in ganz Deutschland. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Begleitung und Unterstützung von Akteuren, die Vernetzung, die Vermittlung von Informationen sowie auf Fortbildungen und Fachtagungen – alles mit dem Ziel, die Entwicklung lebendiger und nachhaltiger Wohnformen im Quartier zu befördern.
Claudia Peschen und Anja Feyhl I Gemeinsames Kompetenzzentrum Quartiersentwicklung (GKZ.QE)
Christina Kuhn und Dr. Anja Rutenkröger I Demenz Support Stuttgart
Engelbert Sittler I Nachbarschaftshilfe Miteinander-Füreinander I Herdwangen-Schönach
Thomas Heine I PflegeDigital@BW